Warum Händler Fabian Lang auf Kartenzahlung setzt

Seit über 100 Jahren ist die Familie Lang im Einzelhandel tätig. Heute führt Fabian Lang in dritter Generation ein eigenes Ladengeschäft im ländlichen Raum – und geht dabei konsequent neue Wege. In seinem kürzlich neu eröffneten Sportfachgeschäft hat er sich von Anfang an dazu entschieden, kein Bargeld zu akzeptieren. Warum er diese Entscheidung getroffen hat, welche Vorteile sich daraus ergeben haben und welche Rolle die girocard dabei spielt, erzählt er im Interview.

Lächelnder Mann steht in einem Outdoor-Bekleidungsgeschäft zwischen Regalen mit Winterjacken.

Herr Lang, Sie kennen den stationären Einzelhandel seit vielen Jahren. Wie hat sich das Bezahlverhalten Ihrer Kundinnen und Kunden verändert?

Das Bezahlverhalten hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett gewandelt. Als wir vor 30 Jahren angefangen haben, war Kartenzahlung noch etwas Besonderes – damals musste man mit einem Ratsch-Gerät die Kreditkarte durchziehen, und der Beleg wurde manuell unterschrieben. Das war aufwendig und selten. Vielleicht zehn Prozent unserer Kundinnen und Kunden haben damals mit Karte bezahlt.

Heute sieht das völlig anders aus: Der Anteil der Kartenzahlungen ist Jahr für Jahr gestiegen. Mit Eröffnung unseres neuen Ladengeschäfts „Sportlich unterwegs“ haben wir uns daher dazu entschlossen, komplett auf Bargeld zu verzichten. Wir haben gemerkt, dass immer mehr Menschen einfach keine Lust mehr auf Bargeld haben. Mit der Pandemie hat sich dieser Prozess noch einmal deutlich beschleunigt.

Und was genau hat Sie dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen und auf Kartenzahlung zu setzen?

Das war eine bewusste, strategische Entscheidung. Ich wollte ein System, das effizient, sicher und zukunftsfähig ist. Bargeld verursacht im Einzelhandel viele versteckte Kosten – vom Kassensturz über das Zählen bis hin zu den Gebühren für Bareinzahlungen. Allein das hat uns täglich rund 30 Minuten Zeit gekostet. Heute läuft alles automatisch, und das ist eine enorme Entlastung.

Was hat sich im Alltag verändert, seit Sie komplett auf Kartenzahlung setzen?

Der Unterschied ist deutlich: Früher musste am Abend die Kasse gezählt, das Wechselgeld geprüft und das Bargeld zur Bank gebracht werden – ein Prozess, der Zeit frisst und Fehlerquellen birgt. Heute läuft das automatisch über unser Kassensystem. Kein Bargeld, keine Zählfehler, kein Falschgeld.

Auch buchhalterisch ist der Umstieg auf reine Kartenzahlung eine große Erleichterung. Unsere Steuerberaterin war begeistert, weil die Abläufe viel transparenter und revisionssicher sind. Bei Betriebsprüfungen war die Kasse früher immer das Erste, was kontrolliert wurde. Jetzt ist das kein Thema mehr. Die Daten sind sauber dokumentiert und digital exportierbar.

Und nicht zuletzt hat sich auch die Stimmung im Team verbessert. Es gibt keine unbeliebten Aufgaben mehr am Abend, niemand muss mehr „die Kasse machen“. Die Mitarbeitenden haben mehr Zeit und den Kopf frei für die Kundschaft. Das sorgt für Zufriedenheit – und das merken auch die Kundinnen und Kunden.

Natürlich hatten wir uns anfangs gefragt, ob der Umsatz darunter leiden könnte, wenn wir Bargeld abschaffen. Aber das Gegenteil war der Fall: Unsere Kundschaft hat das sehr gut angenommen, und wir haben keinen Rückgang gespürt. Das moderne, bargeldlose Konzept hat sogar für positive Resonanz gesorgt.

Wie erleben Sie das kontaktlose Bezahlen?

Kontaktloses Bezahlen ist inzwischen Standard. Etwa 80 Prozent unserer Kundinnen und Kunden halten einfach die Karte oder das Smartphone ans Terminal. Das geht schnell, ist hygienisch und passt perfekt zum heutigen Einkaufsverhalten. Selbst bei höheren Beträgen funktioniert das problemlos, oftmals eben dann mit PIN-Eingabe.

Wir merken auch, dass die Kundinnen und Kunden das Tempo schätzen. Gerade wenn im Laden viel los ist, sparen sie durch kontaktlose Kartenzahlung wertvolle Zeit an der Kasse. Früher war das Kleingeldzählen fast schon ein Ritual – heute läuft Bezahlen mit einem Handgriff.

Ein Bild, das Koffer in einem Warengeschäft zeigt.

Wie reagieren Ihre Kundinnen und Kunden darauf, dass Sie nur Kartenzahlung anbieten?

Wir haben das von Anfang an sehr klar kommuniziert: in jeder Anzeige, in jedem Newsletter, im Schaufenster und auf mehreren Schildern im Geschäft. Natürlich gab es vereinzelt Personen, die gesagt haben: „Dann kaufe ich woanders.“ Manche Menschen verbinden Kartenzahlung noch mit dem Gefühl von Kontrolle oder Überwachung.

Aber das war eine Minderheit. Die allermeisten Kundinnen und Kunden haben unsere Entscheidung ausdrücklich gelobt und finden sie konsequent und zeitgemäß. Einige Neukundinnen und -kunden sind sogar gezielt gekommen, weil sie das Konzept spannend fanden. Viele haben gesagt: „Endlich mal jemand, der es konsequent durchzieht.“ Im Alltag funktioniert das wunderbar – die allermeisten zahlen ohnehin mit Karte, oft ganz automatisch.

Wie sehen Sie die Zukunft des Bezahlens im stationären Handel?

Ich bin überzeugt, dass der Anteil an Kartenzahlungen weiter steigen wird. Bargeld wird es sicher noch geben, aber dessen Bedeutung abnehmen. Die Menschen wollen schnelle, sichere und einfache Lösungen.

Gerade die girocard hat sich in den letzten Jahren entwickelt – kontaktlos, mobil, digital in Wallets integrierbar. Das ist der richtige Weg. Es zeigt, dass wir in Deutschland ein starkes, modernes Zahlungssystem haben, das mit internationalen Lösungen mithalten kann. Aber es ist wichtig, dass die girocard dabei nicht stehenbleibt. Die Entwicklungen müssen daher definitiv weitergehen. Für mich ist sie dennoch ein Stück Unabhängigkeit: Ein System made in Germany, das hier funktioniert und Vertrauen genießt.

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